Lärchen-Samenplantage
Hochwertiges Saatgut für Aufforstungen in Hochlagen
Die Lärchen‑Samenplantage in der Prader Sand wurde errichtet, um langfristig qualitätsvolles Lärchensaatgut mit hoher genetischer Vielfalt bereitzustellen. Dieses Saatgut ist entscheidend für Aufforstungen an der obersten Waldgrenze über 1.800 m und trägt dazu bei, stabile und widerstandsfähige Schutzwälder zu erhalten.
Der Grund für die Errichtung der Samenplantage liegt in den seltenen Samenjahren in Hochlagen sowie im Bedarf an Saatgut gesicherter Herkunft. Durch die gezielte Auswahl vieler Mutterbäume aus unterschiedlichen Tälern Südtirols wurde eine hohe genetische Vielfalt sichergestellt.
Technische Daten der Lärchen‑Samenplantage
- Standort: Prader Sand, Eigentum der Eigenverwaltung bürgerlichen Nutzungsrechte von Prad
- Fläche: ca. 3 ha
- Errichtung: 1990
- Fertigstellung: 1995
- Anzahl der Bäume: 1.320 (120 Klone in 11 Wiederholungen)
Die Veredelung der Bäume wurde erfolgreich im eigenen Betrieb durchgeführt, um den Samenertrag früher einsetzen zu lassen. Einige Bäume haben inzwischen bereits eine beeindruckende Höhe erreicht.
Auswahl der Klone
Grundlage für hochwertiges Lärchensaatgut
Für die Lärchen‑Samenplantage in Prad wurden einzelne Lärchenbäume als sogenannte Klone ausgewählt.
Unter einem Klon versteht man einen Baum, von dem Edelreiser gewonnen werden, um Lärchensämlinge zu veredeln. Dadurch entsteht genetisch hochwertiges und vielfältiges Saatgut, das für Aufforstungen in Hochlagen über 1.800 m besonders wichtig ist.
Kriterien für die Klonauswahl
Die Auswahl der Mutterbäume erfolgte nach klar definierten und nachvollziehbaren Kriterien:
- Vitalität und Gesundheitszustand der Bäume standen im Vordergrund;
- Die Ausgangsbäume durften nicht älter als 150 Jahre sein;
- Sie mussten bereits reichlich Zapfen tragen;
- Der Standort der ausgewählten Bäume lag über 1.800 m Höhe.
Ein einzigartiges Projekt in Italien und Teil eines europäischen Netzwerks
Die Samenplantage in Prad ist die erste und einzige Lärchen‑Samenplantage in Italien. Sie reiht sich in ein europaweites Programm ein – Länder wie Deutschland, Österreich und Schweden betreiben solche Anlagen bereits seit vielen Jahren. Die Nachfrage nach hochwertigem Lärchensaatgut ist hoch, besonders für Schutzwälder im Alpenraum.
Erfolgreiche Veredelung und aktuelle Entwicklung
Die Veredelungen der Jungbäume wurden mit gutem Erfolg direkt im eigenen Betrieb durchgeführt. Einige der veredelten Lärchen in der Samenplantage haben bereits eine beeindruckende Höhe erreicht. Durch die Veredelung setzt der Samenertrag deutlich früher ein – ein zentraler Vorteil für die Versorgung mit geeignetem Saatgut.
Um eine möglichst hohe genetische Vielfalt zu gewährleisten, wurden bewusst viele verschiedene Mutterbäume aus verschiedenen Tälern Südtirols ausgewählt: Oberer Vinschgau, Schnalstal, Passeier, Wipptal, Ahrntal sowie Antholz‑Gsies.
Auswahl der Mutterbäume
Für jedes Herkunftsgebiet wurden 20 Mutterbäume ausgewählt. So wird eine breite genetische Vielfalt der alpinen Lärche sichergestellt.
Derzeitige Situation
Aufbau und Pflege der Lärchen‑Samenplantage
In der Lärchen‑Samenplantage stehen aktuell 11 Bäume für jede der 120 Mutterbäume. Sie sind in einem Raster von 3,5 × 7 Metern gepflanzt. Die Wiederholungen wurden in 11 unterschiedlichen Reihenfolgen angeordnet. Dadurch sind die Herkünfte der Klone gleichmäßig, aber dennoch natürlich verteilt.
Sobald die Bäume eine geeignete Größe erreicht haben, wird jeder zweite Baum entnommen. Dadurch bleibt die Durchmischung der Herkünfte erhalten, und es entsteht ein stabiler Bestand mit guter Licht- und Nährstoffverteilung.
Schnittmaßnahmen
Um eine gut verzweigte Baumkrone zu fördern, haben bereits erste Schnittmaßnahmen begonnen. Dies ist wichtig für eine sichere Ernte über Leitern.
Arbeitsaufwand und Pflege
Während der Sommermonate ist für die Pflege der Samenplantage bereits der Einsatz einer Teilzeitkraft erforderlich. Zu ihren Aufgaben zählen die regelmäßige Kontrolle der Anlage, verschiedene Pflegemaßnahmen sowie die Gewährleistung einer optimalen Entwicklung der jungen Bäume. Für die Beerntung der Zapfen werden zusätzliche Mitarbeitende benötigt, da diese Arbeiten körperlich anspruchsvoll sind und nur in einem begrenzten Zeitraum durchgeführt werden können.
Entwicklung der Lärchensaatgut-Ernte
Die Samenproduktion aus der Lärchen‑Samenplantage hat sich im Laufe der Jahre deutlich weiterentwickelt und wurde dabei vor allem von den klimatischen Bedingungen im Frühjahr beeinflusst.
Erste Samengewinnung
Die erste Samengewinnung aus der Lärchen‑Samenplantage wurden 2001 erzielt: In diesem Jahr konnten Zapfen geerntet werden, aus denen 3,35 kg Saatgut gewonnen wurden.
Bereits 2002 stieg die Erntemenge auf 7,6 kg an.
In den Jahren 2003 und 2004 kam es jedoch aufgrund von späten Frostereignissen im April zu einem Totalausfall der Samenernte.
Rekordernte 2006
Der Temperaturverlauf im Frühjahr sowie die Ergebnisse der Pollenflug‑Erhebung deuteten auf ein ertragsreiches Jahr hin. Tatsächlich konnten im Herbst 27 Hektoliter Zapfen gesammelt werden.
Daraus wurden 65 kg Lärchen‑Hochlagensaatgut gewonnen – bei einer Keimfähigkeit von 44 % ein ausgesprochen hoher Wert.
Diese Menge ermöglicht es, die Landesforstgärten für rund zehn Jahre mit geeignetem Lärchensaatgut für die Hochlagenaufforstungen zu versorgen.
Andere Nutzungen
Zusätzliche Funktionen der Lärchen‑Samenplantage
Die Lärchen‑Samenplantage dient nicht nur der Gewinnung von hochwertigem Lärchensaatgut. Sie erfüllt auch weitere Zwecke, die zur Artenvielfalt, zum Wissenstransfer und zur zukünftigen Saatgutversorgung beitragen.
Nutzung für Weidenarten und Bildungszwecke
Auf Initiative von Florin Florineth wurden rund 20 einheimische Weidensorten in der Plantage gepflanzt. Ergänzend wurden Purpur‑ und Salweiden gesetzt.
Diese Bäume dienen heute als Mutterbäume für die Stecklingsgewinnung und werden gleichzeitig für Schulungs‑ und Lernzwecke genutzt.
Förderung seltener Straucharten
Zusätzlich wurden in den vergangenen Jahren von seltenen Straucharten jeweils 20 bis 30 Pflanzen gesetzt. Damit soll künftig eigenes Saat‑ und Pflanzgut gewonnen werden, um diese Arten zu fördern und langfristig zu erhalten.